Festetics-Schloss

Keszthely, Kastélystraße 1.

Das Festetics-Schloss in Keszthely ist das am meisten besuchte Schloss in Ungarn. Heute fungiert es unter dem Namen Helikon Schlossmuseum als museale Institution. In fünf Gebäuden bietet es sechs ständige Ausstellungen an.  Das Schloss, das ab der Mitte des 18. Jahrhunderts ständig gebaut und erweitert wurde, war 200 Jahre hindurch im Besitz der Familie Festetics, die eine der bedeutendsten Adelsfamilien Ungarn war. Seine Mitglieder spielten wichtige Rolle im politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Leben des Landes. Christoph Festetics war derjenige, dem das Vermögen in Keszthely zu verdanken war, der im Jahre 1739 das Gut in Keszthely gekauft hat. Sein Sohn, Paul (III.) war Hof- und Kanzleirat von Maria Theresia und erhielt den Grafentitel im Jahre 1772. Zu der nächsten Generation der Familie gehörte Georg (I.) Festetics, eines der bedeutendsten Mitglieder der Familie, der das Georgikon gegründet und das Helikon-Festival ins Leben gerufen hat. Sein Sohn Ladislaus trat in die Fußstapfen seines Vaters, jedoch mit wenigerem Erfolg. Die Söhne von Ladislaus, Tassilo (I.) Festetics und Georg (II.) Festetics haben die finanzielle Lage der Familie stabilisiert. Georg (II.) bekleidete in der Andrássy-Regierung den Posten eines Ministers. Sein Sohn Tassilo (II.) erhielt ungarischen Herzogstitel im Jahre 1911.  Der Sohn von Tassilo (II.), Georg (III.) war in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts auf diplomatischer Laufbahn tätig. Georg (IV.), der zur letzten Generation gehörte, verließ Ungarn mit seiner Mutter Maria Haugwitz in seinem vierten Lebensjahr. 
Den Bau des Schlosses in Keszthely ließ Christoph Festetics im Jahre 1745 beginnen. Aus der ersten Etappe der Bauarbeiten (1745-1750) stammen der mittlere und der östliche Flügel des heutigen Gebäudes. Das eingeschossige, im Barockstil errichtete Schloss verfügte dem zeitgenössischen Inventar nach über 34 Räumlichkeiten. Schon zur Zeit von Christoph, aber auch unter seinem Sohn Paul (III.) Festetics wurden mehrere Pläne zur Erweiterung entworfen, diese wurden jedoch nicht verwirklicht. Schließlich begann der Sohn Pauls, Georg (I.) Festetics die Umgestaltung des Schlosses im Jahre 1792. Von den zwei nach hinten reichenden Fügeln des geplanten Gebäudes mit einem u-förmigen Grundriss, wurde jedoch nur der südliche Flügel mit der Bibliothek im spätbarocken Stil, der schon von klassizistischen Tendenzen geprägt wurde (im Zopfstil) fertig. Die inneren Arbeiten dauerten bis 1804. Die nächste bedeutende Umbau- und Erweiterungsarbeit am Schlossgebäude wurde zwischen 1883 und 1887 im Auftrag von Tassilo (II.) Festetics durchgeführt im historisierenden Stil (geprägt von Neobarock, Neorokoko). Er ließ den mittleren und östlichen Flügel verlängern und auch der nördliche Flügel wurde fertig. Zu dieser Zeit kam es zur Errichtung des Turmes. Das ganze Gebäude wurde mit Mansarddach bedeckt bzw. mit Zentralheizung und Wasserleitung versehen. Durch die Umgestaltung der Fassanden, inneren Räumen bzw. in erster Linie durch den Umbau der Treppenhäuser erhielt das Schloss zu dieser Zeit seine heutige Form. Der Park des Schlosses ist Naturschutzgebiet. Im Park befinden sich das Palmenhaus und der frühere Marstall mit der Kutschenausstellung bzw. dem hinteren Ausgang des Parkes gegenüber dem Gebäude, das die Jagd- und die historische Modelleisenbahnausstellung beheimatet.
In der Nähe des Schlosses, in der Kastélystraße steht das Amazon-Haus-Besucherzentrum. Im Schloss zeigt die Ausstellung die hochadelige Lebensform, bzw. hier kann auch die Helikon Bibliothek besichtigt werden.
Die original eingerichteten oder zeitgetreu rekonstruierten Räumlichkeiten der Interieurausstellung stellen die hochadelige Lebensform des 18-19. Jahrhunderts vor.  Den größten Wert des Schlosses vertritt die in Ungarn einzig unversehrt gebliebene hochadelige Privatbibliothek mit mehr als 80.000 Bänden.
Im nördlichen Flügel des Schlosses wurde ein Veranstaltungszentrum eingerichtet, das zur Abwicklung repräsentativer Empfänge und Feierlichkeiten geeignet ist.  Die Ballsäle sind zur Veranstaltung von Eheschließungen, Hochzeitsfesten, Konferenzen und Standempfänge gleichermaßen geeignet. 
Die Kutschenausstellung besteht aus mehr als 50 Kutschen, Wagen und Schlitten aus dem 18-19. Jahrhundert, die zur hochadeligen Lebensform gehörten, bzw. aus einer Sammlung anderer Gegenstände und künstlerischer Werke, die alle mit dem Reiten zusammenhängen. Die Jagdausstellung zeigt Jagdtrophäen aus fünf Kontinenten. Die Besucher können die Mehrheit der Tiere in ihrem „natürlichen Lebensraum“ spazierend kennenlernen. Zum vollständigen Erlebnis tragen eine ethologische Sammlung und eine Kunstausstellung bei. Die historische Modelleisenbahnausstellung ist eine der größten in Europa.  Das Riesenmodell der Eisenbahnen Ungarns, Österreichs und Deutschlands des 19-21. Jahrhunderts stellt zeitgetreue Nachbildungen der originalen Bahnhofsgebäude, Lokomotiven und Bahnzüge dar.
Die im Amazon-Haus-Besucherzentrum eröffnete Ausstellung mit dem Titel „Hochadelige Reisen, Reiseabenteuer“ stellt die Reisekultur und die mit den Reisen verbundenen Gewohnheiten im 19. bzw. am Anfang des 20. Jahrhunderts dar, wobei die Besucher eine Vielzahl der ausgestellten Gegenstände ausprobieren können.
Das in den 1880er Jahren errichtete Palmenhaus mit seinen exotischen Pflanzen beschwört die Tradition der Orangerien und tropischen Pflanzenhäuser, die einst den Bestandteil der hochadeligen Lebensform bildete. Das Gebäude des Palmenhauses wird vom Steingarten, Aquarium, Gartenteich und Vogelpark umgeben. 
Nachdem die Rekonstruktionsarbeiten unlängst abgeschlossen wurden, bietet der Schlosspark mit dem Teich, Löwenbrunnen, mit den Springbrunnen bzw. mit dem Kammergarten der Herzogin wieder das Bild, wie der Park von dem englischen Landschaftsgärtner Henry Ernest Milner in den 1880er Jahren entworfen wurde.  
 

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